02 Dezember 2011

Julián Conrado 6 Monate in Haft

Nach nunmehr 6 Monaten in illegaler Gefangenschaft des Sängers und Guerilleros Julián Conrado in Venezuela und weil sich Vertreter der beiden Regierungen von Kolumbien und Venezuela zu diplomatischen Treffen verabreden haben, soll nun ein kurzer Überblick über die Gesamtsituation des Falls „Julián Conrado“ gegeben werden. Außerdem soll auf die Situation von politischen Gefangenen in Kolumbien hingewiesen werden und was eine Auslieferung an das kolumbianische Regime für einen politisch Verfolgten bedeuten kann. 



Der Sänger Julián Conrado wurde bei einem Einsatz von kolumbianischen und venezolanischen Streitkräften in „Barinas“ am 31. Mai 2011 verhaftet. Seitdem ist er illegal in einem Gefängnis in Venezuela.

Dieser illegale und menschenrechtsverletzende Umgang mit politisch Verfolgten und die Zusammenarbeit der repressiven kolumbianischen und venezolanischen Sicherheitsorgane ist sehr beängstigend, weil ihnen während und nach der Auslieferung die Rechte beschnitten werden und sie der Folter eines Staates ausgesetzt sind, in dem unter anderem im Jahr 2011 schon 11 politische Gefangene getötet worden sind. Dutzende sind schon Opfer der illegalen Auslieferung politisch Verfolgter zwischen Venezuela und Kolumbien geworden, so wurden zum Beispiel auch kranke Personen, oder wie im Fall des Journalisten Joaquín Pérez Becerra, internationales humanitäres Menschenrecht verletzt. Er wurde als schwedischer Staatsbürger und anerkannter politischer Flüchtling auf einem Flug von Frankfurt/Main nach Caracas am Flughafen in der venezolanischen Hauptstadt festgenommen und an Kolumbien ausgeliefert. Diese Verfolgung von Menschen durch Kolumbien unter den Direktiven der USA und Europa ist Teil des schmutzigen Krieges gegen die Bevölkerung und politisch Andersdenkende. Das Recht auf Asyl und das Recht auf Schutz für alle politischen Opfer ist im Völkerrecht verankert, und gerade Venezuela sieht dies als einen wichtigen Bestandteil seiner Verfassung an, obwohl diese von den eigenen Behörden und bei der Auslieferung von politisch Verfolgten fundamental verletzt wird.

Im konkreten Fall des Sängers und Liedermachers Julián Conrado, ein Sänger im fortgeschrittenen Alter, der mehrere Bombenangriffe des Militärs und schwere Krankheiten wie Malaria oder Leishmaniose überlebt hat, die ihn jedoch sehr schwächten. Deswegen und weil er bei der kolumbianischen Regierung keine Hilfe erwarten konnte hat er sich letztendlich nach Venezuela zurückgezogen.

Der Fall Conrado war erschütternd und zog eine große Welle der internationalen Solidarität nach sich. Immerhin ist er vielen durch seine Lieder und seine Musik bekannt, die soziale und politische Themen beinhalten und als Protestmusik beliebt ist.

Der Sänger Julián Conrado ging nach Venezuela aufgrund seines schweren gesundheitlichen Zustandes und lebte mit seiner Partnerin wie ein Bauer in Barinas. Doch während er ärztliche Unterstützung notwendig gehabt hätte, wurden lieber repressive Maßnahmen gegen ihn getroffen. Die Frage bleibt: Wieso hat der venezolanische Staat in Kooperation mit den kolumbianischen Sicherheitsbehörden, die für ihre Zusammenarbeit mit den Paramilitärs bekannt sind, und unter Mithilfe des CIA aus den USA diese Menschenjagd veranstaltet?

Man kann nur hoffen, dass sich die venezolanischen Behörden auf die Ethik und Moral ihres politischen und revolutionären Charakters berufen, den Venezuela nach außen hin verkörpern soll und Julián Conrado nicht ausliefern werden. Auslieferung würde für ihn Folter bedeuten. Eine Lösung wäre, dass ihm politisches Asyl gewährt wird oder dass man ihn alternativ in ein Drittland ausweist, dass das humanitäre Völkerrecht respektiert und er so geschützt werden kann.

“Die 1 % in Kolumbien, die das Glück privatisiert haben, sind diejenigen die feiern, aber der Rest fühlt Trauer, die gemischt ist mit Wut und dem Wunsch weiter zu kämpfen!“
Julián Conrado